Olivetti Valentine, ca. 1970

Baujahr: 1970 in etwa
Seriennummer: 2026019
Herkunft: Italien / gebaut in Barcelona, Spanien
Schriftart: Pica
Farbband: 13 mm, zweifarbig

Eine Design-Ikone

Man mag es kaum glauben, aber es ist eine unumstößliche Tasache. Diese mit Plastik ummantelte Schreibmaschine rangiert schon kurz nach ihrer Markteinführung am Valentinstag des Jahres 1969 unter diesem Prädikat – Design Ikone.
Entworfen und gestaltet hat sie ein Designer namens Ettore Sottsass. Der Name sagte mir Anfangs auch nichts, aber er war Designer für Möbel und Alltagsgegenstände, wohl eine Meister seines Faches, und wurde von Olivetti beauftragt eine Schreibmaschine modern zu gestalten. Modern für die ausgehenden 1960er Jahre. Also im Hippie-Styl würde ich mal sagen.

Der Werbeslogan lautete damals: „Anti-Schreibmaschine“, die überall und an jedem Ort genutzt werden kann, nur nicht in einem Büro. Als dann die ersten Stars wie z. B. David Bowie, Liz Tailor und Richard Burton damit öffentlich gesehen wurden begann die Valentine als cool und erstrebenswert zu gelten. Zumindest bei der jüngeren Generation und bei Leuten als „in“ gelten wollten.
Und das, obwohl die Valentine alles andere als „neu“ war, denn ihr Innenleben ist eine gewöhnliche Olivetti Dora welche von Ettore Sottsass nur neu eingekleidet wurde und „Valentine“ genannt wurde.

Als die Valentine 1972 auch im „Museum of modern Art“ in New York Einzug hielt und dort ausgestellt wurde, mauserte sie sich endgültig zu einer Design Ikone. Tja, und Dinge die berühmt wurden, werden, wenn sie nicht mehr hergestellt werden über die Jahre immer gefragter und teurer.

Ich habe von Leuten gehört, einen kenne ich sogar, die sich Ende der 1980er Jahre mit den Restposten der Valentines, die damals noch bei Herti und Karstadt im Ausverkauf angeboten wurden eingedeckt haben. Sie haben diese Valentine’s, weil klar wurde das die Preise nach dem Produktionsstop steigen würden, unangetastet bis heute in ihrer Sammlung behalten. Eine Nagelneue, Originalverpackte Valentine wird heute einen ordentlichen Preis erzielen.

Welche Valentine woher?
Ein Mysterium

Das ist wahrlich noch ein kleines Mysterium. Entworfen und gebaut wurde sie Anfangs in Italien. Man mag somit annehmen das die niedrigsten Seriennummern jene sind welche italienische Valentines tragen. Dem ist aber nicht so.
Später wurde die Produktion der Valentine nach Barcelona, also nach Spanien verlegt. Noch etwas später dann, bis zum Ende der Produktion, nach Mexiko.
Es gibt italienische Valentines die mit der Seriennumer 5 beginnen. Meine stammt aus Spanien und beginnt mit einer 2. Seltsam nicht wahr?
Somit ist das Baujahr auch noch nicht eindeutig zu identifizieren.
Die einen haben kleine orangefarbene Farbbandkappen (die älteren), die neueren haben große Kappen. Einige Valentines haben zwei Höcker über der Tastatur, einige, so wie diese hier, nicht.
Eine Weiterentwicklung der Maschine wäre chronologisch normal, wenn sie denn einem Zeitablauf folgen würde. Das scheint aber nicht so zu sein. Oder doch?

Wir haben es uns jetzt im Schreibmaschinen Sammlerverein I.F.H.B., nachdem ich diese Valentine vorgestellte, zur Aufgabe gemacht zu erforschen wie das alles zusammen passt. Sobald ich mehr weiß werde ich es hier bekannt machen. Möglich das Olivetti hier seinen Spaß daran hatte die Seriennummern bunt durcheinander zu würfeln. Schließlich war es ja eine „Anti Schreibmaschine“ die gar nicht fürs Buro gedacht war.

Überall schreiben, nur nicht im Büro

Der ungewöhnliche Tragekoffer

Technische zur Valentine

Das sie anders als alle anderen Schreibmaschinen aussieht sieht man auf den ersten Blick. Eine Monpti, ebenfalls aus jener Zeit stammend, wäre die einzige die ihr ähnlich wäre. Das viel Plastik verbaut wurde sieht man ebenfalls. Optisch also ein Leckerbissen für die die das mögen. Ich mag sie trotz ihres hohem Plastikanteils.
Technisch hat sich Olivetti nicht die Mühe gemacht sie neu zu konstruieren, sondern hat einfach sein Erfolgsmodell der Kleinschreibmaschine namens Olivetti Dora genommen und sie von Ettore Sottsass neu Einkleiden lassen. Punkt und fertig. Ist aber echt gut geworden.

Die Mechanik sieht auf den ersten Blick etwas zierlich aus. Auf den zweiten Blick jedoch sehr robust.

Ihr Innenleben

Eben Olivetti, da weiß man was man hat. Einige Valentines haben sogar einen Tabulator. Dieser Valentine fehlt er, sie ist also ein Standardmodell, eine „Valentine S“, obwohl ihr das „S“ auf ihrer Rückseite am Tragegriff fehlt. Noch so ein Mysterium.
Einen Farbwahlschalter haben sie alle. Alle Valentine’s schreiben also Zweifarbig. Bei mir sogar mit Blau und Rot, weil ich ein solches Farbband eingelegt habe.

Werbeposter von 1969

Schreiben mit der
Olivetti Valentine

Sehr gut, sehr leise, sehr geschmeidig. Ganz anders als ich Anfangs befürchtet hatte. Sie schien mir sehr klapperig zu sein, was sich aber, als ich sie bekam, und beim genauerem hinsehen als haltlos heraus stellte. Sie klappert nicht und ist alles in allem sehr leicht zu bedienen. Und sie selbst ist leicht, ziemlich genau 5 Kilo Lebendgewicht. Klar, ein Dinosaurier verglichen mit einen modernden Laptop oder einem Tablet, aber man kann sie tragen. Und man kann mit ihr, wie in den alten Werbeslogans propagiert, sehr schön draußen tippen. Es wird allerdings nicht lange dauern und man hat seine Zuschauer. So eine Schreibmaschine ist schon etwas besonderes, nicht so gut wie eine Hermes Baby, das ist klar, aber ein absoluter Hingucker und eyecatcher. Die Valentine mach Spaß und bleibt optisch im Gedächtnis.

Design:
60er/70er Jahre Popart. Der Hammer, etwas ganz besonderes.
Schriftart:
Meistens Pica, es gibt aber auch andere
Verarbeitung:
Plastikgehäuse das qualitativ sehr robust ist, ebenso wie die Mechanik
Schreibkomfort:
Sehr gut, es gibt zwar bessere, denen fehlt aber das kultige Extra.
Sammelwürdig:
Ja, absolut. Die Valentine war kein großer Verkaufsschlager, somit gibt es im Vergleich z. B. zu einer Hermes Baby nur wenige Exemplare, was die Valentine wiederum selten macht.
Empfehlenswert zum schreiben:
Ja. Für Autoren die das besondere lieben.

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