Olympia Progress, Baujahr 1949/50

Seriennummer: 676164
Baujahr: 1949/50 (Das ist nicht ganz genau festzustellen)
Herkunft: West Deutschland
Schriftart: Pica normal
Farbband: 13 mm, zweifarbig

Ihr spätes Baujahr, 1949/50, sieht man ihr nicht an, denn so wie sie hier zu sehen ist wurde sie bereits seit 1938 gebaut. Im Grunde sogar seit 1931, nur waren 1931 die Farbbandspulen noch nicht durch einen klappbaren Deckel verschlossen. Diesen bekam die Progress erst 1938, und seit dem sah sie optisch so aus wie diese Olympia Progress aus dem Jahr 1949/50. Diese hier ist also ein frühes Kind der 50er Jahre im altmodischem Kleid der 1930er Jahre.

Etwas zur Olympia Kleinschreibmaschinen Familie

Die verschiedenen Olympia Reisemaschinen, oder Portables wurden weitestgehend aus genormten Teilen gebaut. Mit mechanischen Abwandlungen (Tabulator, Zweifarbig schreiben können, etc.) waren alle Modelle im Grunde ein und die selbe Schreibmaschine. Neben der „Olympia Progress“ wurde so die „Olympia Filia“, „Olympia Simplex“ und „Olympia Elite“, sowie die „Diplomat“, „Diplomat Präsent“, „D.M.“, „Fortuna“ und „Lutéce“ gefertigt. Ebenso gehörten auch die „Kappel-Knirps“, „Kappel Fips“, „Kappel V.A.“ und „Kappel Privat“ zu diesem Programm.

Eine der Letzten ihrer Art

Etwas seltsam kam es mir vor als ich sie bekam. Baujahr 1949? Laut Literatur enden die Seriennummern im Jahr 1948 bei Nummer 600955. Dazwischen müssen also noch 75.209 Maschine gebaut worden sein.

Das mag daran liegen das nach Kriegsende bei den Olympiawerken, die ja vor dem Krieg in Erfurt beheimatet waren, nach Kriegsende also auf dem Gebiet der zu gründenden DDR lagen, und die erst 1948 nach Westdeutschland umzogen einiges an Konfusion herrschte. In der Anfangszeit wurden Maschine nach alten Plänen und aus Teilen aus Vorkriegszeiten gefertigt, solange bis 1949/50 die erste Westdeutsche Neuproduktion mit der Olympia SM 1 anlief.

In der Zwischenzeit, zwischen 1945 und 1949 herrschte ein wahrer Schreibmaschinen Notstand, denn die Werke waren durch Kriegseinwirkung zerstört, neu gebaute Werke gab es nicht sofort, aber es wurden dringend Schreibmaschinen benötigt. Was also tun? Alte Modelle vorerst weiter bauen.

Schreiben mit der Olympia Progress

Vorkriegs-Olympia Kleinschreibmaschine eben!
Solide gebaut und präzise abgestimmt. Ich habe schon einige dieser Maschinen ausprobiert, und sie sind sich im Schreibkomfort ebenbürtig. Die Simplex, die Elite und ebenso diese Progress, alle schreiben gleich präzise und erzeugen ein harmonisches Schriftbild. Der Klang ist jedoch auch immer der selbe. Er klingt blechern und lange nicht so hochwertig und geschmeidig wie die späteren Olympia’s ab Modell SM1. Oder so wie die großen Vorkriegs-Büromaschinen von Olympia, zum Beispiel die Olympia 8, die an Geschmeidigkeit kaum zu überbieten ist.
Es ist in etwa so zu verstehen, als würde man ein Auto der oberen Luxusklasse mit einem Kleinwagen vergleichen wollen. Beide tun genau das was sie sollen, sie fahren. Und so ist es auch bei den Schreibmaschinen. Man kann die Qualität von großen Büromaschinen nicht mit Kleinschreibmaschinen vergleichen. Man sollte aber wissen wo seine Prioritäten liegen und was man mit ihr anstellen möchte und was man ihr abverlangen möchte. Doch es gibt sie, die Nachkriegsportables die sehr Hochwertig sind.
Die Olympia Progress, Elite und Simplex gehören nicht dazu. Erst ab Modell SM 1 begann die Ära der Hochwertigen Kleinschreibmaschinen von Olympia.

Mit einem neuen (alten) Farbband schreibt sie wieder

Die Olympia Progress schreibt gut, hat aber ihre schwächen was den Komfort des selben angeht.
Die Runden Tasten haben viel Zwischenraum zueinander. Da kann man, schreibt man nur mit Zwei Fingern, schon mal dazwischen geraten und Tippfehler produzieren. Die späteren Hufeisenförmigen Tasten waren ergonomischer geformt. Sie gilt zwar als Kleinschreibmaschine, hat aber, weil ihr Korpus komplett aus solidem Metall gefertigt ist, ein stolzes Gewischt. Hinzu kommt der Holzkoffer, und mit ihm ist sie als Reiseschreibmaschine aus dem Rennen.
Als Schreibmaschine für den Schreibtisch allerdings ist sie sehr gut geeignet, und wenn man den Koffer nur als Staubschutz verwendet ist es perfekt.

Design:
Obwohl Baujahr ca. 1950 hat sie ein Vorkriegs-Design
Schriftart:
Pica normal
Verarbeitung:
Metall, robuste, zuverlässige Mechanik.
Schreibkomfort:
Gut. Etwas laut, die Tasten liegen weit auseinander
Sammelwürdig:
Ein Massenprodukt in hoher Auflage. Das dauert wohl noch einige Zeit. Dieses Modell bekommt man oft noch geschenkt oder für einen Einstelligen Eurobetrag,
Empfehlenswert zum schreiben:
Ja

© Fotos & Text 2020 by Heiko Stolten
Schreibstube Krempe

2 Gedanken zu “Olympia Progress, Baujahr 1949/50

  1. Hallo,
    Könnten Sie mir evtl. sagen, wie man den Wagen löst? Habe eine alte Olympia Progress gefunden, nur ist die Sperre drin (auch nicht korrekt, der Wagen steht etwas drüber, sodass die Schreibmaschine nicht in den Koffer passt) und ich kann den Mechanismus einfach nicht finden.
    Das wäre sehr nett! Vielen Dank und fG

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    1. Hallo
      Wenn ich mich recht erinnere ist an der Progress ein kleiner Hebel. Ich habe keine Progress mehr und daher weiß ich auch nicht mehr genau wo er sich befindet. Er sollte aber entweder oben links in der Tastatur sein oder links oder rechts am Wagen. Einfach mal alle hebel betätigen, einer wirds schon sein 🙂

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