Swissa Junior von 1963

Seriennummer: 6304477
Herkunft: August Birchmeier’s Söhne, Murgenthal, Schweiz
Schriftart: Plakatschrift
Farbband: 13 mm, zweifarbig auf DIN Spulen
Zubehör: Tragekoffer
Besonderheit: Sehr gute Qualität, hervorragende Verarbeitung

Wie kommt man denn zu einer Swissa? Genau das hatte ich mich selbst gefragt, denn es ist die erste Swissa die ich je bemerkt hatte. Und genau das hatte mich neben der schönen Bauweise besonders gereizt. Ich bin schon durch die Hermes Baby von den Schweizer Schreibmaschinen sehr verwöhnt. Da sollte eine weitere Schweizerin doch wohl mindestens genau so hervorragend sein, oder etwa nicht?
So jedenfalls meine Vorstellung von der Schweizer Präzision. Und ich wurde nicht enttäuscht. Ende Januar 2022 kam sie aus Flensburg bei mir an. Eine prächtige Portable mit einer wunderbaren Überraschung im Gepäck. Sie hatte die sehr große Plakatschrift mit dabei. Ich war sofort mehr als geflasht als ich die Hübsche auspackte und dies natürlich sofort bemerkte.

Wofür wurde Plakatschrift verwendet?

Die Swissa Junior gab es nicht nur in verschiedenen Farbtönen, sondern sie konnte, so wie zum Beispiel diese hier, mit PlakatschrifŒt bestellt werden. Was aber die Plakatschrift angeht, so ist diese sehr große Schrift eher ungewöhnlich für eine Mittelgroße Schreibmaschine. Um einen Brief zu schreiben ist sie deswegen ungeeignet. Im nu hat man einen Bogen Papier damit voll geschrieben. Ebenso ist es eher umständlich mit ihr eine Rechnung oder einen anderen Fließtext zu schreiben.
Was die Swissa jedoch in damaligen Büros sehr beliebt machte war aber eben ihre Möglichkeit mit Plakatschrift schreiben zu können. Die große Plakatschrift (siehe Vergleichsfoto) diente oft zum beschriften von Preisschildern an oder auf den unterschiedlichsten Verkausfsartikeln oder dazu um Preise deutlich in Schaufenstern zeigen zu können. Eine normale Schreibmaschinenschrift wäre dafür zu klein und unscheinbar.
Ebenso wurden mit Plakatschrift gerne Aushänge, Terminankündigungen, Mitteilungen oder gar Plakate geschrieben oder beschriftet die gut leserlich sein sollten, und wofür eine normale Schreibmaschinenschrift zu klein war. Der Name „Plakatschrift“ war also auch Programm.

Ich benutze die Swissa um mit ihr Briefcouverts zu Adressieren. Das kommt bei den Empfängern immer sehr gut an, und ich werde oft gefragt mit welcher Schreibmaschine ich das gemacht habe. Ebenso benutze ich sie um meine Ordnerrücken zu beschriften.

PLAKATSCHRIFT: Hier im Vergleich zu einer normalen Schreibmaschinenschrift „Pica“ zu sehen.

Etwas zur Swissa

In der Schweiz, genauer in Murgenthal, begann die Produktion der Vorfahrin der Swissa in den 1930er Jahren unter dem Namen „PATRIA“. Ein Namenswechsel erfolgte 1950, und zwar auf „Swissa Piccola“. Die Piccola, die der „Junior schon sehr ähnlich sah wurde bis 1958 gebaut, und ab 1958 folgt dieses hier vorgestellte Modell „Swissa junior“. Das schönste Modell, wie ich finde.

Charakteristischer für diese Swissa Junior ist eine lang gezogene metallene Schmuckleiste mit der Aufschrift „SWISSA“ in Reliefschrift auf der vorderen Metallabdeckung. Eine weitere Plakette befindet sich hinten rechts auf dem Papierhalter mit der Aufschrift „junior“. Eine dritte, ebenfalls eine aus Metall gefertigt und mit Reliefemblemen versehen identifiziert die Swissa eindeutig als ein Schweizer Mädel. Diese Plakette befindet sich an der Rückseite und komplettiert den Schmuck der Swissa Junior.

Du kannst schon an ihrem Äußeren erahnen wie es in ihrem Inneren wohl aussehen wird. Man hatte sich bei Birchmeier’s Söhne wahrlich Mühe gegeben die Swissa nicht nur Hochwertig aussehen zu lassen, sondern hatte sie auch genau so gebaut. Sehr Hochwertig, sehr präzise und stabil.

Ebenso charakteristisch ist die in den vorderen Rahmen integrierte Leertaste, sowie ein ungewöhnlicher Farbwähler. Er befindet sich rechts unten neben der Tastatur und gleichzeitig auch oben rechts über dem Segment als ein Zeiger und Schieber zum anzeigen der gewählten Farbe. Bedient man den Farbwähler neben der Tastatur, bewegt sich der Schieber und Anzeiger neben dem Segment horizontal mit. Selbst ein eigener Knopf für den Typenentwirrer ist vorhanden.

Schreiben mit der Swissa

Dieser Absatz wird ziemlich kurz werden denn es gibt zu diesem Thema eigentlich kaum mehr zu sagen als: „Top – Allererste Sahne„!
Die Swissa ist eine waschechte Eidgenössin, und typisch für so eine Lady aus der Schweiz ist ihr präzises und sehr ausgewogenes auftreten. Das Schreiben mit ihr ist pure Freude, so das es für mich jetzt schon beinahe Schade erscheint sie „nur“ mit Plakatschrift zu besitzen. Jammern auf höchstem Niveau nennt man das wohl. 🙂

Plakatschrift 370 AR nach der Benutzung mit einem lila Farbband

Ich würde gerne mehr mit ihr schreiben und suche deshalb beizeiten nach einer zweiten Swissa, und zwar eine mit Schreibmaschinenschrift die sich gut für Fließtexte, also Briefe und andere Texte eignet.
Ihr Anschlag ist Federleicht und dennoch sehr ausgewogen und Punktgenau. Gleichermaßen für Vielschreiber und für Anfänger sehr gut geeignet. Es fühlt sich wertig an mit ihr zu tippen. Hier kann ich eine glatte Eins als Bestnote vergeben

Wert der Swissa

Den heutigen Wert kann ich kaum einschätzen da es die erste Swissa ist die mir begegnet ist, und ich bisher nur wenig Infos über dieses Modell gefunden habe. Sie scheint jedenfalls sehr viel seltener vorzukommen wie vergleichbare Modelle der 50er und 60er Jahre.
Ich würde ihre Schreibqualität auch höher einstufen als zum Beispiel die eines Olympia SM Modells, einer Triumph Gabriele / Norm / Perfekt oder einer vergleichbaren Adler mittlerer Größe aus dieser Zeit. Deshalb, weil sie sehr viel sanfter schreibt und nicht so laut ist wie die genannten anderen Modelle.

Fazit

Design:
Frühes sixties Design – Sehr schön und wertig.
Schriftart:
Plakatschrift (gibt es aber auch in anderen Schriftarten)
Verarbeitung:
Metallgehäuse und Metallmechanik. Sehr gut, robust und für die Ewigkeit gebaut
Schreibkomfort:
Leichter Anschlag, weicher Wagenlauf, perfekt zum schreiben
Sammelwürdig:
Ja, auf jeden Fall
Empfehlenswert zum schreiben:
Ja, eine Schreibmaschine der Luxusklasse mit der man noch lange seine Freude haben wird.


© 2020 – 2022
Text & Fotos by Heiko Stolten – Schreibstube Krempe

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s