Privileg 270S, Bj. ca. 1975

Baujahr: ca. 1975
Seriennummer:
Herkunft: Deutschland/Italien
Schriftart: Script (gab es normalerweise mit Pica)
Farbband: 13 mm, zweifarbig

Auch der Koffer wird langsam spröde und brüchig.

Etwas zur Privileg oder auch Olivetti

Sie ist „die“ Billig-Schreibmaschine der 1970er Jahre und man konnte sie seinerzeit im Kaufhaus Quelle bekommen. So etwas wie eine Volks-Schreibmaschine. Privileg war ein Markenname von Quelle. Unter diesem Namen wurden Kühlschränke, Waschmaschinen, Kaffeemaschinen und vieles mehr verkauft. Waren von verschiedenen Herstellern wurden so unter dem Markennamen Privileg zusamen gefasst und verkauft, bzw. umgelabelt. So wurde eben auch aus einer Lettera Schreibmaschine von Olivetti eine Privileg Schreibmaschine.

Die Privileg gab es in verschiedenen Ausführungen. Das „S“ hinter der 270 steht für „Script“, also der Schreibschrift mit der diese Version ausgerüstet ist. Wer also eine Privileg mit der Schreibschrift „Script“ sucht, achtet bitte auf das „S“ hinter der Zahl.

Klapperiges Gehäuse aus Kunststoff

Technisches

Ja, was gibt es dazu zu sagen? Ein technisches Meisterwerk ist sie wahrlich nicht. Der Ausdruck „Billigmaschine“ ist eher angebracht, denn die Privileg ist nicht unbedingt auf Langlebigkeit ausgelegt. Plastik wohin man sieht und im inneren nur sehr filigranes und wenig hochwertiges Metall das man auch besser nicht allzu fest berührt.
Beim aufschrauben meiner Privileg, um sie im inneren reinigen zu können, sind mir gleich zwei Schraubenlöcher für das Gehäuse heraus gebrochen. Das Plastik wird mit den Jahren porös und brüchig. Nun klappert der metallene und mechanische Körper im Plastikkleidchen beim schreiben hin und her.
Soviel zur Langlebigkeit und Robustheit einer Privileg.

Also eine sehr minderwertige Verarbeitung. Man muss sie wirklich, weil sie einem gefällt, haben wollen, ansonsten würde ich abraten eine Privileg als Schreibmaschine nutzen zu wollen. Sie ist eher als Deko gut.

Das Design ist ganz nett. Es gab die Privileg auch in anderen Farben.

Schreiben mit der Privileg

Mit normaler Schreibmaschinenschrift ausgerüstet würde ich persönlich einer Privileg keines Blickes würdigen. Zu zerbrechlich ist ihre Verarbeitung und die Mechanik.
Das schreiben mit ihr ist allerdings ganz okay. Im Unteren Mittelfeld würde ich sie dabei ansiedeln. Sie ist etwas zäh, wenig gefedert, und schnelles schreiben quittiert sie trotz neuer Gummifüsse mit herum getänzel auf meinem Schreibtisch.
Zudem produziert sie gerne Typensalat. Ich muss sie also ständig wieder gerade hin stellen und muss wirklich sehr sauber die Tasten treffen um den berüchtigten Typensalat zu vermeiden.
Außerdem ist sie mir zu laut. Eine große Büromaschine ist leiser. Der Anschlag ist sehr Gewöhnungsbedürftig. Etwas zu wenig gedrückt und sie hinterlässt nur noch ein Buchstabenfragment auf dem Papier, etwas zu viel angeschlagen und der geschriebene Buchstabe sieht gequetscht aus. Alles in allem ein unsauberes und ungleichmäßiges Schriftbild. Nicht schön!

Schreibtest mit der Privileg. Letzte Zeile von einer Triumph geschrieben.

Den Text auf dem oberen Foto habe ich sehr ruhig und langsam getippt um eine gewisse Gleichmäßigkeit hin zu bekommen. Es geht also! Man muss den Umgang mit der Privileg üben, was eigentlich nicht so sein sollte.

Ihr großes Plus, und deshalb habe ich eine Privileg, ist ihre Schriftart. Die Schreibschrift Script in der kleineren Variante.
Zum Vergleich: Die letzte Zeile ist die leicht größere Variante dieser Schriftart, die von einer Triumph Gabriele 10 (sauber) getippt wurde.

Fazit

Ich würde Dir, wenn Du Dir Deine erste Schreibmaschinen zulegen möchtest, von einer Privileg abraten. Sie ist zu filigran und keinesfalls als robust zu bezeichnen. Sie ist zickig und eignet sich nicht dazu viel oder schnell zu schreiben.
Mit ihr aber mal in Ruhe und Besinnlichkeit einen Liebesbrief, mit dieser wunderschönen Schrift, zu tippen ist allemal drin und sieht toll aus.

Es gibt aber, wenn es diese Schrift sein soll, noch andere Modelle die ebenfalls diese Schreibschrift an Bord haben, und die wesentlich besser beschreibbar sind. Es ist eine lange Suche, ich weiß, aber manchmal hat man Glück eine zu entdecken.

Design:
Wie nennt man das? 70er Retro Style? Meine eigenen 70er Jahre waren peppiger!
Schriftart:
Script. Die Privileg gibt es aber viel häufiger mit der Schriftart Pica
Verarbeitung:
Gehäuse aus Plastik. Verarbeitung sehr billig und zerbrechlich.
Über die Jahre wird das Plastik der Privileg spröde und brüchig.
Schreibkomfort:
Geht so! Es gibt viele kleine Maschinen die erheblich besser sind
Sammelwürdig:
Vielleicht in 30 Jahren! Nur mit der Schreibschrift wird sie langsam beliebter.
Empfehlenswert zum schreiben:
Nicht wirklich, und nur wenn man in sie verliebt ist.

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