Worauf muss ich achten ?

Möchtest Du eine gebrauchte, also eine alte Schreibmaschine kaufen, dann solltest Du auf ein paar grundlegende Dinge achten. Egal ob Du Deine Traummaschine auf dem Flohmarkt, beim Trödler oder in einer Anzeigenbörse entdeckst. Selbst wenn Du eine geschenkt bekommst oder eine erbst, nützt die beste Maschine nichts wenn sie nicht funktioniert. Hier eine kleine Checkliste für das Objekt Deiner Begierde.

• Bewegt sich der Wagen frei und leicht?
• Wird das Papier sauber, gerade und ohne stocken eingezogen?
• Läuft der Wagen beim Anschlagen der Typen und Leertaste?
• Dreht sich die Schreibwalze und ist sie heil (ohne Löcher etc.)?
• Sind die kleinen Einzugwalzen rund oder eingedrückt?
• Fallen die Typenhebel wieder leicht in ihre Ausgangsstellung zurück?
• Drehen sich die Farbbandspulen beim Anschlag der Typen?
• Welches Farbband benötigt die Maschine. Ist eines dabei?
• Gibt es das passende Farbband zu kaufen?
• Funktioniert die Farbbandumschaltung?
• Wie ist der Optische Zustand?
• Ist ein Koffer oder eine Abdeckung dabei?

Standardfarbbänder die 13 mm breit sind gibt es noch zu kaufen. Alle anderen Größen sind schwierig bis sehr schwierig zu bekommen.

Optischer Zustand

Bei dieser grünen Triumph Norm 6 war die Aufzugschnur gerissen, Der Wagen lief also nicht mehr beim Anschlagen einer Taste. Der Papierhalter lag lose im Typenkorb und die Typen waren etwas schwergängig. Zudem war sie, wie man sieht, schmutzig. Und das obwohl sie in einem Koffer aufbewahrt wurde. Diese Triumph wieder Gangbar zu machen stellt für mich kein Problem dar, dauerte aber auch etwa 10 Stunden. Wenn es für Dich ein Problem darstellt, würde ich Dir vom so einer Maschine in diesem Zustand abraten.

Die Schreibwalzen

Eine intakte Schreibwalze mit der kleineren, eingedrückten Einzugwalze.
Hier wird kein Bogen Papier mehr sauber eingezogen.

Ein wichtiger Bestandteil einer Schreibmaschine sind ihre Schreibwalzen. Diese müssen intakt sein. Durch eine lange Standzeit können die kleinen Gegendruckwalzen, die für den Anpressdruck und für einen sauberen Papiereinzug verantwortlich sind, einseitig eingedrückt sein und nicht mehr 100 Prozentig rund sein. Dies solltest Du überprüfen bevor Du eine Schreibmaschine kaufst. Mit Sicherheit ist die Schreibwalze verhärtet, lege beim Schreiben immer zwei Bogen, gerne auch drei Bogen Papier ein.

Verschmutzungen

Die meisten Schreibmaschinen stehen seit vielen Jahren unbenutzt herum. So wie eine Schreibmaschine äußerlich nach so einer langen Zeit aussieht, so sieht sie in den meisten Fällen auch in ihrem inneren aus. Meistens sogar noch verschmutzter als außen. Du musst Dir also im klaren darüber sein, wenn Du sie bemutzen möchtest, sie reinigen zu können.
Und dazu muss die Maschine so weit es Dir möglich ist auseinander genommen werden. Traust Du Dir das nicht zu? Du hast Niemanden den Du um Hilfe bitten kannst? Dann rate ich Dir von einer zu stark verdreckten Maschine ab. Zudem kann so eine Schreibmaschine rostig sein, mit Altöl verkrustet sein oder gar beides. Eine solche Maschine wieder Gangbar zu machen bedeutet oft Stundenlange Arbeit. Ich habe auch schon Maschinen bekommen die mit Salatöl beträufelt wurden. Das Öl wird erst ranzig und dann verklumpt es. Es ist eine langwierige Angelegenheit dies wieder zu entfernen.

Wenn eine Schreibmaschine derart verdreckt und verstaubt ist solltest Du vorsichtig sein wenn Du Dir nicht selbst zutraust sie zu reinigen.

Die Typenhebel und Öl

Ein weiteres Herzstück einer Schreibmaschine, und ohne sie geht gar nichts, sind die Typenhebel die durch die Schlitze des Segments hindurch verlaufen. Zusammen ergeben sie den Typenkorb.

So wie auf den beiden Fotos kann es im Typenkorb aussehen wenn man eine alte Schreibmaschine kauft die lange Jahre ungeschützt irgendwo herum stand. Diese Typenhebel bewegen sich nicht mehr geschmeidig auf und ab.

Eine erste gute Idee wäre es sie mit dem Staubsauger auszusaugen. Und wenn sie sich dann immer noch zögerlich bewegen, dann kommt die zweite Idee hinzu, die allerdings dumm ist.
Feinmechaniköl in die Schlitze zu tröpfeln. Ja, jetzt funktioniert es wieder, aber …
Ein paar Tage später stellten die Typenhebel ihren Dienst vollkommen ein.
Warum?
Der restliche Staub, Dreck und eventuell Rost verbindet sich mit dem feuchten Öl, weicht etwas auf und verhärtet sich allmählich wieder, und zwar mehr als zuvor. Jetzt sind die Typenhebel noch schwerer als zuvor zu bewegen.
Jetzt hilft nur noch Bremsenreiniger oder Reinigungsbenzin und eine harte Zahnbürste.

Also, immer erst aussaugen und mit einer trockenen Zahnbürste ausbürsten. Wenn das nicht hilft anschließend mit Reinigungsbenzin oder Bremsenreiniger ausbürsten.
Niemals die Typenhebel und Segmentschlitze ölen

Damit es wieder so wie auf dem Foto oben aussieht brauchst Du Geduld und Zeit. Etwa 2 bis 4 Stunden. Je nach Urzustand des Typenkorb.



Typenhebel und die Schlitze zu ölen ist NIEMALS eine gute Idee. Diese Erfahrung musste ich in meiner Anfangszeit auch machen.

Typen reinigen

Links:
Das „ö“ ist zugesetzt

Rechts:
gereinigter Typenhebel

Werkzeug zum Reinigen der Typen. Rechts die Knetmasse TyPutz.

Das Reinigen der Typen ist oft unerlässlich. Meistens sind die Buchstaben mit Vertiefungen (a, ä, o ,ö, e, und o, 8, 9, usw.) und die mit feinen Rillen (m, n, =, 3 usw.) mit alten Farbbandresten verstopft. Hier würde das Schriftbild dann unsauber dargestellt werden.
Der erste Versuch diese zu reinigen wäre mit einer Bürste und mit Petroleum, Reinigungsbenzin oder Bremsenreiniger. Spiritus mit einem Tropfen feinmechaniköl geht auch sehr gut.
Wenn das nicht hilft muss per Lupe und Stichel (ein feiner Holzspieß/Zahnstocher oder eine Sicherheitsnadel geht auch) nachgeholfen werden. Aber bitte nur in den Vertiefungen, nicht über die erhabenen Buchstaben kratzen. Daher lieber eine Lupe benutzen.
Es gibt auch diese Knetmasse, einen Typenreiniger, die Typutz heißt. Diese Masse auf die Typen drücken. Jetzt wird die Verschmutzung aus den Vertiefungen gezogen.