Petite international de luxe, Bj. 1969 (Kinderschreibmaschine)

Baujahr: 1969
Modell: International de luxe
Seriennummer: 63625 E
Herkunft: England
Schriftart: Picaähnlich
Farbband: 6,5 mm, einfarbig

Warum so eine?

Ich habe lange überlegt ob ich meine kleine Urlaubslaune hier unter der Rubrik „Kaufberatung“ für Schreibmaschinen präsentieren sollte. Schließlich handelt es sich um eine Kinderschreibmaschine, also um ein Spielzeug und nicht um eine professionelle Schreibmaschine mit allen Schikanen. Die Antwort lautet: „… ja, aber … “
Ja, es ist eine Spielzeugschreibmaschine,“ … aber …“ eine wirklich interessante. Entdeckt hatte ich sie 2020 in Zell an der Mosel. Wir hatten hier zwei Tage mit unserem Wohnmobil Station gemacht, waren auf einem Spaziergang durch die Altstadt, als ich den Karton zusammen mit anderem „Krempel“ auf einem Autodach stehen sah das in einer engen Gasse parkte. Ein Trödler öffnete gerade sein Geschäft, räumte seine Schätze vor seinen Laden und nutze dazu auch sein davor geparktes Auto als Präsentationsfläche. So kam ich also für ein paar Münzen zu einer Kinderschreibmaschine!


Und warum so eine? Nun, sie ist wirklich ungewöhnlich und alles in allem eine beinahe vollwertige Schreibmaschine die ihren Dienst tut und wohl einem heutigem Kind auch viel Spaß machen könnte. Ich werde also versuchen diese Kaufberatung auch für ein Kind zu schreiben.

Technisches zur Petite

Plastik wohin man schaut. Das kann man mögen oder auch nicht. Dafür ist die Petite aber auch wirklich Federleicht (1400 Gramm) und dennoch einigermaßen Robust. Einigermaßen, denn der Zeilenschalthebel, ebenfalls aus Plastik, ist nicht wirklich für die Ewigkeit gemacht. Das er noch nicht abgebrochen ist zeugt wohl davon das dieses Exemplar dem damals beschenktem Kind nicht lange diente. Vielleicht weil die Petite das Kind dazu animierte auf einer „echten“, einer Erwachsenen-Schreibmaschine schreiben zu wollen. Denn das die „kleine“ Spaß macht ist unbestritten. Mir macht sie jedenfalls Spaß!


Sie ist technisch in am ehesten mit einer Schreibmaschine aus den 1920er Jahren zu vergleichen. Eine Dreireihige Tastatur mit doppelter Umschaltung ist für eine Schreibmaschine des Jahres 1969 absolut ungewöhnlich und oldschool. Die Doppelte Umschaltung bewegt den Wagen für die Großbuchstaben nach oben und für die Zeichen nach unten.
Für ein etwa 10 jähriges Kind des Jahres 1969 das weder Computer noch Handy kannte (ich war 1969 in diesem Alter) und seine erste Schreibmaschine bekam, war eine Dreireihige Tastatur durchaus ohne Probleme erlernbar. Das ’69er Kind kannte ja nichts anderes. Ein heutiges Kind wächst mit einer PC Tastatur auf und wird mit der Tastatur der Petite wohl etwas neues lernen dürfen. Selbst einige Erwachsene dürften sich hiermit zunächst schwer tun. Technisch also um 1920 herum, optisch aber spätes 1960er Design das bis in die 1970er Jahre aktuell war.

Sehr zierlich. Der Zeilenschalthebel


Ansonsten hat sie fast alles was eine Profi-Schreibmaschine alles haben sollte. Eine Glocke, eine Rückstelltaste und eine automatische Farbbandumschaltung. Was ihr fehlt sind die Randsteller, die sind fest und auf einer Position fixiert, was aber auch okay ist. Ebenso fehlt ihr eine Wahltaste für den Zeilenabstand. Sie hat nur einen einzigen Abstand. Ansonsten sieht sie, im Gegensatz zu anderen Kinderschreibmaschinen aus wie eine richtige Schreibmaschine und funktioniert auch so.

Es ist aller strengstens verboten sie zu öffnen.

Bitte nicht den Boden abnehmen. So steht es auf dem Boden der Petite aufgedruckt. Nun, muss ich mich daran halten, oder fliegt mir, wenn ich es dennoch tue das vielfältige Innenleben der Petite auseinander? Keine Ahnung was mich erwartet. Drehen wir einmal die vier Kreuzschlitzschrauben am Boden heraus. Witzig: Die erste Schreibmaschine die mir unter kommt die mit Kreuzschlitz Schrauben verschraubt ist. Sehen wir uns einmal das Innenleben an. Der Boden hebt sich, und …

Alles wichtige ist vorhanden

Tja, so wenig braucht es um eine Schreibmaschine zu bauen. Da ist kaum etwas darin was mir entgegen kommen könnte. Ich würde sagen 50 Prozent Plastik, 10 Prozent Metall und 40 Prozent Luft dazwischen. Aber – Es funktioniert, und das sogar ganz ordentlich.
Ich bin beeindruckt von diesen Minimalismus, wenn ich bedenke wie viele Stunden ich mit einer vergleichbar kleinen, aber „echten“ Schreibmaschine zubringe um sie zu zerlegen und um sie zu reinigen. Mir gefällt die kleine, die Petite.

Schreiben mit der Petite

Drei Zeichen pro Type. Wie gesagt, 1920er Jahre Style. Die Typen sind ebenfalls aus Plastik.

Jetzt wird es ernst. Der erste Schreibtest steht an. Ob sie das schafft? Der Papiereinzug ist etwas tricky, funktioniert aber gut nachdem ich den besagten Trick heraus hatte.
Ich weiß nicht wie ich das Geräusch der auf dem Papier aufschlagenden Typen beschreiben soll, aber es ist laut, ungewöhnlich laut. Es knallt förmlich. Nun ja, da ist keine einzige Federung im Typengestänge installiert die einen weichen Anschlag erzwingen könnte. Der Anschlag selbst ist aber ebenso wie die Petite – Federleicht. Es verwundert nur das ein sanfter druck auf die Tasten ein solch peitschendes Geräusch erzeugen kann. Also, abgesehen von peitschenden Sound schreibt sie richtig gut.

Schöne Schriftart Mit einem neuen Farbband sähe das sogar professionell aus.

Nun zum Farbband. Das ist wieder einmal eine Rolle Rückwärts in die 1920er Jahre. Ich habe eine Minischreibmaschine, eine Gundka von 1920 etwa, die mit so einem Farbband arbeitet. Es ist ein sehr exotisches, dünnes 6,5 mm Farbband. Aber scheinbar gibt es so eines noch zu kaufen. Ein Händler auf Ebay bietet ein passendes Farbband für die Petite an.

6,5 mm Farbband. selbst das Segment und die Farbbandgabel sind aus Plastik und im Baumarktstil mit Kreuzschlitz Schrauben befestigt.

Fazit

Aus heutiges Sicht dürfte die Petit einem Kind im Grundschulalter, dass gerade schreiben lernt, großen Spaß breiten. Ich habe es immer wieder erlebt das Kinder meine Schreibmaschinen, obwohl sie so oldschool sind, als wahnsinnig faszinierend empfinden. Alle Kids wollen sofort darauf herum tippen. So wird es unserem Enkel vielleicht auch ergehen wenn ich ihm diese Petit in einigen Jahren präsentieren werde.

Wie gesagt, sie schreibt, und mehr soll sie ja auch nicht! Sie ist zwar ungewöhnlich simpel konstruiert, aber dennoch funktionell. Wenn Du allerdings geräuschempfindlich bist, dann rate ich Dir davon ab Deinem Kind eine Petite zu schenken. Aber zeige mir mal Geräuschempfindliche Eltern, die gibt’s ja gar nicht.


Zum Spaß, also als Spaßfaktor, und zum spielerischem erlernen der Buchstaben und des Maschineschreiben ist die Petite wie geschaffen. Sie wird auch noch recht häufig auf Internetbörsen angeboten. Was Du jedoch unbedingt beachten solltes ist folgendes. Hat Deine Tochter oder dein Sohn die Petit erst einmal zu schätzen gelernt, dann heißt es sicherlich bald darauf eine „echte“ Schreibmaschine anzuschaffen. Eine Portable vielleicht, eine mit allen Schikanen und Zubehör. Aber hier auf meinen Seiten findest Du ja einige Portables die richtig gut sind und die noch recht häufig zu finden sind.

Das hat Seltenheitswert! Eine Tastatur mit den Zahlen von Eins bis Null

Design:
Poppiges Design der End 1960er
Schriftart:
Pica-ähnlich. Sieht sehr schön aus.
Verarbeitung:
Plastik und sehr leicht, aber haltbar. Erstaunlich simpel und doch robust
Schreibkomfort:
leichter Anschlag, aber sehr laut und peitschend
Sammelwürdig:
Ja doch es geht wohl bald los!
Empfehlenswert zum schreiben:
Für Kinder sicher ein großer Spaß, als echte Schreibmaschine unbrauchbar

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