Triumph Gabriele 3, 1965

Seriennummer: 3453437
Herkunft: Nürnberg, Deutschland
Schriftart: Pica
Farbband: 13 mm, zweifarbig auf Din Spulen
Zubehör: Tragekoffer, Reinigungsset, Bedienungsanleitung
Besonderheit: Setzttabulator / Hilfseinrichtung (Braille) für Sehbehinderte Personen.
Minuspunkte: Kunststoffgehäuse

Wie viele Gabriele’s sind über die Jahre nun schon durch die Werkstatt der Schreibstube gewandert? Ganze sechs Stück, man glaubt es kaum. Nach den Adler 7 Modellen ist die Gabriele somit die am häufigsten vertretene Schreibmaschine hier. Ich bin wohl ein Gabi-Fan, ein Gabinator, könnte man denken. Nein, denn alle Exemplare sind wieder auf Reisen gegangen. Das ich dises Exemplar erstand ist purer Zufall gewesen, und es gibt eben noch Massenhaft Gabriele’s.

Der Idealfall: Mit Koffer, Bedienungsanleitung und Reinigungsset.

Etwas zur Gabriele 3

Dieses Modell, also die Gabriele 3, wurde von 1961 bis 1965 gebaut. Ursprünglich gab es sie ohne Modellbezeichnung, nur mit dem Namen Gabriele versehen und ist aus dem Urmodell das im Jahr 1957 erschien hervor gegangen. Noch davor, ab 1952 gab es die Baugleichen Triumph Norm und Perfekt. Bis 1960/61 etwa hatten die Gabrieles keine äußerlich sichtbaren Modellbezeichnungen. Man nannte sie in den Jahren von 1957 bis etwa 1962 einfach nur Urmodell 1, 2 oder 3.
Wenn Du Dich für so ein älteres Urmodell interessieren solltest, so kannst Du eines hier auf diesen Seiten beschriebenes finden und natürlich auch zu sehen.

Mit einem sehr guten Setztabulator (Rechts die + – Taste)


Wundere Dich nicht über die Punkte auf der Tastatur und auf dem Linealbalken. Normalerweise sind diese dort nicht vorhanden. Dieses ist eine Gabriele mit Sonderausstattung die man einst so bestellen konnte. Bei dieser Gabriele handelt es sich um eine für Menschen mit Sehschwäche modifizierte Schreibmaschine die Teilweise mit der sogenannten Braille Schrift ausgerüstet ist, die auch Blindenpunkte genannt werden. Zur Orientierung für solche Personen wurden hier solche Punkte angebracht. Schreiben tut sie allerdings mit normaler Pica Schrift und ist somit auch als völlig normale Schreibmaschine zu nutzen.

Schreiben mit der Gabriele 3

Worüber ich jetzt gleich schreiben werde entspringt meiner persönlichen Geschmackssache und ist nicht wirklich relevant für alle LeserINNEN. Das was ich beschreiben möchte ist das was die Ur-Gabrieles dieser Gabriele 3 voraus haben, bzw. hatten.
Sie waren und sie sind immer noch eindeutig schöner, ihr Design eindeutig aufregender und ihre Farbkombinationen machen sie zu stylischen fifties Girls. Damals hätte man zu so einer reizenden jungen Dame bewundernd „Steiler Zahn“ oder „Flotte Biene“ gesagt. Die Ur-Gabrieles waren, wie ich finde um Längen, schöner, frischer und peppiger. Gemeint sind die farbigen Modelle. Aber …,

... das war’s auch schon! Denn, jetzt kommt das berühmte „aber“ das Auskunft darüber geben soll ob Schönheit ein wichtiges Kriterium bei einer Schreibmaschine ist oder nicht. Spätestens jetzt, und zwar genau an diesem Punkt kehrt sich meine Begeisterung für die hübschen Ur-Gabi’s komplett ins Gegenteil um.
Die hübschen Girls der fifties schreiben leider sehr rabiat, blechern, klappernd und laut. Sie lärmen wie eine Straßengöre. Das erzeugt eine unangenehm laute Geräuschkulisse beim tippen. Außerdem bieten sie keinen Luxus an. Keinen Tab, keine Stechwalze und keinen Farbwähler.

Dieses zwar weniger schöne Gabriele Modell 3 hingegen tippt äußerst elegant, präzise und sanft wie ein Lamm, was sie für mich wiederum schön werden lässt. Der Wagen gleitet flüsternd hin und her, während die Wagen der Ur-Gabrieles unüberhörbar ratschen. Ich würde sogar behaupten diese Gabriele 3 kommt vom Sound her einer Continental Silenta gleich.
Ich finde die Gabriele 3 vom Design und von ihrer Farbe her längst nicht so hübsch, frech und peppig wie die Urmodelle, dafür aber kann sie schreiben wie eine junge Göttin. Absolute Oberliga, und das sogar unter ihrem Plastikkleidchen. Dieser Umstand macht sie für mich zum schreiben eindeutig begehrenswerter als alle Ur-Gabriele’s zusammen. Eine die elegant tippen kann bevorzuge ich immer, egal wie sie aussieht. Für mich wird eine Schreibmaschine durch ihre Qualität schön. Ich glaube ich habe mich jetzt genügend zu ihrem Supertalent geäußert.

Wert der Gabriele 3

Eine Schreibmaschine aus der Mitte der 1960er Jahre stammend ist aus Sammlersicht kaum etwas Wert. Es ist aber durchaus möglich das sich das im laufe der Jahre noch ändern wird. Prophetisches kann ich dazu aber nicht viel mehr sagen weil meine Kristallkugel dazu nichts her gibt.
Wenn Du aber eine Schreibmaschine suchst die sehr gut schreibt, die ein sanftes Arbeitstier ist, die günstig zu bekommen ist (meine war ein Geschenk) und die nicht zu schwer ist, dann bist Du mit der Gabriele 3 sehr gut beraten.
Und der Umstand das sie sicherlich nur über eine verhältnismäßig kurze Zeit genutzt wurde (bis 1988 etwa, bis die Computer die Büros eroberten), sie Höchstwahrscheinlich keine viel genutzte Büromaschine im täglichem Arbeitseinsatz war, trägt dazu bei das es heute noch viele gut erhaltene Exemplare zu finden gibt. Mein Exemplar brauchte ich wirklich nur abstauben und dann war es voll Einsatzbereit. Ich würde sie als portable Schreibtischmaschine bezeichnen.

Fazit

Du wünscht Dir eine Mittelgroße, nicht allzu schwere Schreibmaschine die wunderbar schreibt, die heute noch problemlos zu beschaffen ist und die dabei auch noch sehr günstig zu bekommen ist? Dann kannst Du mit einer Gabriele 3 nichts verkehrt machen. Trotz ihres Plastikgehäuses ist sie, typisch „Made in Germany„, stabil und robust. Wenn sie nicht benutzt wird findet sie in ihrem ebenso stabilen Tragekoffer Platz und ist darin sehr gut vor Staub und eventuellen Rempeleien geschützt. Die Gabriele steht sehr gut auf dem Schreibtisch und bleibt auch beim schnellem tippen stoisch auf ihrem Platz stehen. Mit anderen Worten, sie rutscht nicht wie manche anderen Schreibmaschinen beim tippen ziellos umher. Für ein längeres tragen, also als Reisemaschine würde ich sie aber nur bedingt bezeichnen. Sie Zuhause von hier nach dort zu tragen ist völlig okay, ansonsten wäre sie mir zu schwer um sie längerer zu Tragen.

Design:
Sixties Design in Grau das man mögen muss
Schriftart:
Pica
Verarbeitung:
Kunststoffgehäuse und Metallmechanik ist beides robust und Langlebig
Schreibkomfort:
Leichter Anschlag, weicher Wagenlauf, perfekt zum schreiben
Sammelwürdig:
Noch nicht
Empfehlenswert zum schreiben:
Ja, eine Schreibmaschine aus der Oberliga

© 2020 – 2022
Text & Fotos by Heiko Stolten – Schreibstube Krempe

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