Voss „Karin“, Baujahr 1959

Baujahr: 1959
Modell: Karin
Seriennummer: 168212
Herkunft: Wuppertal, Deutschland
Schriftart: Pica
Farbband: 13 mm, einfarbig
Zubehör: Keines
Besonderheit: Schnell zu entfernendes Gehäuse

Erinnert an eine Gabriele. Zweifarbig Grau mit dunkelgrünen Tasten und Knöpfen

Etwas zur Voss „Karin“

Eines Vorweg: Sie ist eine besondere Schreibmaschine, wie ich finde. Optisch zum einem und mechanisch zum anderen. Und überhaupt!
Sie entstammt einer Epoche in der es lange Zeit als schick galt einer Schreibmaschinen einen Mädchennamen zu geben. Die berühmteste dieser Art war die „Erika“, ihr folgten Mädchennamen wie Gabriele, Brigitte, Karina, Dora und neben der hier vorgestellten Karin noch weitere waschechte Mädels nach.
Diese hier, die Karin, wurde von 1959 bis zur Liquidation der Firma Voss im Jahr 1965 in Wuppertal gebaut und gehörte zur sogenannten „S“-Linie. Bei ihr lässt sich der Spulendeckel in einem Stück abnehmen welche bei dem Vorgängermodell (auch auf diesen Seiten zu sehen, die Voss SDT 32) noch seitlich wegzuklappen waren.
Was aber bei diesem Modell wirklich beeindruckend ist: Das gesamte Gehäuse wird vorne und hinten auf der Unter-, bzw., der Innenseite von zwei kräftigen Klammern zusammen gehalten. So kräftig das das Gehäuse, wenn es zusammen gesteckt ist wirklich fest und ohne klappern zusammengehalten wird.

Öffnet man diese zwei Klammern, dann kann man bequem und innerhalb von Sekunden das gesamte Gehäuse seitlich heraus ziehen. Das ist enorm praktisch um die Karin reinigen zu können. Und das ist besonders Bedienerfreundlich für Nutzer die sich nicht trauen eine übliche Schreibmaschine zu demontieren.

Innerhalb von zwei Minuten steht die Karin ohne Kleidchen da.

Es gab mehre Modelle der „Voss“, so auch die Modellreihe „S“. Die Karin ist eine Variante dieser „S“ Reihe, und zwar jene der Voss 24 S, die laut Prospekt als normale Korrespondenzmaschine für Heim, Reise und Büro ausgewiesen war. Die Karin ist die etwas vereinfachte und günstigere Version ohne Stechwalze und ohne Farbzonenschaltung, aber dafür mit einem wohlklingenderen Namen als „S 24“, nämlich „Karin“.

Schreiben mit der Voss „Karin“

Genau so genial wie sie sich auseinander nehmen lässt, genau so schön schreibt sie auch. Sie ist etwas lauter als meine andere Voss SDT 32 die ich als meine beste Schreibmaschine auserkoren hatte. Das mag aber auch eine Alterserscheinung der Schreibwalze sein, dass die Karin etwas lauter ist. Sie schreibt aber immer noch wesentlich leiser als andere Schreibmaschinen jener Zeit. Das Schreibgefühl ist wirklich sehr angenehm. Der Wagen gleitet förmlich hin und her und die ergonomisch geformten Tasten tun ihr übriges um das Schreiben zu einem Genuss werden zu lassen, also Dich und mich vollends zufrieden zu stellen. „Perfekt“ würde ich sagen.

Das Schriftbild ist gestochen scharf

Die Karin ist eine „richtige“ Schreibmaschine die auch heute noch, nach über 60 Jahren ihren Dienst ganz vorzüglich tut. Und solltest Du einmal eine in einem guten und funktionellem Zustand finden, dann greife beherzt zu. Die Karin wird Dich nicht enttäuschen. Und wie Du auf dem Foto sehen kannst, das Schriftbild ist sehr schön Randscharf und nicht so breit wie bei manch anderer Maschine.

Das rundliche Design der 50er Jahre

Wert der Voss Karin

Das kann ich nicht wirklich einschätzen. Aber eines kann ich sagen, eine Voss Schreibmaschine, egal um welches Modell es sich handelt, findet nicht erst seit gestern Einzug in die Sammlungen vieler Schreibmaschinenliebhaber. Sie ist somit dem geringgeschätzten Ansehen eines Stiefkinds entwachsen. Was soviel bedeutet das sie nur noch selten kostenlos oder zu ganz kleinem Preis zu haben ist. Aber auch hier gilt: Ausnahmen bestätigen die Regel.
Der zweite Grund hierfür ist: Es gab und es gibt nicht mehr so sehr viele von Ihnen. Günstige oder kostenlose Gabriele’s und Erika’s werden noch Massenweise angeboten, eine Karin nicht! Das ist ein erstes Kriterium um als sammelwürdig eingestuft zu werden. Ein zweites Kriterium, und das gilt für mich, ist die verblüffend einfache Weise wie sie auseinander zu nehmen ist.

Eine dralle Seitenansicht.

Die Fima Voss in Wuppertal produzierte von 1948 bis 1965 Schreibmaschinen, also weniger als zwanzig Jahre. Manche andere Modelle von Schreibmaschinen wurden, und das sogar fast unverändert, (z.B. eine Adler 7 oder eine Continental Standard) über einen längeren Zeitraum gebaut. Die verhältnismäßig „kurze“ Produktionszeit macht die Voss Schreibmaschinen somit schneller zu einem begehrtem Sammelobjekt als andere Schreibmaschinen. Wenn Dir also einmal eine Voss begegnet, Ihr Euch sogar mögt, dann greife zu.

Fazit

Nun gut, den Ausdruck „Reiseschreibmaschine“ aus dem Prospekt würde ich jetzt einmal etwas relativieren, denn die Karin hat trotz ihres Aluminiumkleids ein markantes Lebendgewicht. Man braucht zum längeren transport wenigstens eine Karre, besser ein Auto, denn lange würde ich die nicht selbst tragen wollen, nicht einmal im Rucksack. Ihr Gewicht ist aber genau das was sie auf ihren schönen, breiten Füßen hält. Sie hüpft beim schreiben nicht auf dem Schreibtisch herum sondern steht bei jedem Tastenaschlag und bei jedem Zeilenwechsel und schieben des Wagens wie angewurzelt auf dem ihr zugewiesenen Platz – So soll es sein!

Design:
Toll – Wer das fifties Straßenkreuzer Design liebt kommt hier auf sein Kosten.
Schriftart:
Pica
Verarbeitung:
Metallgehäuse. Sehr robust. Die Mechanik ist schier unverwüstlich. Geklammertes Gehäuse
Schreibkomfort:
Leichter Anschlag, ergonomisch geformte Tasten, sehr gutes Schreibgefühl
Sammelwürdig:
Ja! Man bekommt sie nur noch selten geschenkt.
Empfehlenswert zum schreiben:
Ja, auf jeden Fall

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